FDP-Ratsgruppe zum Schluff: Strecke nicht vorschnell aufgeben
Die FDP-Ratsgruppe im Rat der Stadt Krefeld spricht sich dafür aus, das angekündigte Aus des Schluffs nicht vorschnell zu akzeptieren. Zugleich warnt sie vor falschen Erwartungen: Die öffentlich diskutierten Kosten betreffen nach bisherigen Angaben nicht allein die historische Dampflok, sondern vor allem die Schieneninfrastruktur.
„Bevor hier Fakten geschaffen werden, muss rechtlich sauber geprüft werden, welche Vorgaben für die Strecke gelten und welche Verfahren einzuhalten sind“, erklärt Joachim C. Heitmann, Vorsitzender der FDP-Ratsgruppe. Die FDP-Ratsgruppe sieht insbesondere Klärungsbedarf, unter welchen Bedingungen eine Stilllegung oder Aufgabe der Strecke möglich ist, ob ein Interessenbekundungsverfahren erforderlich wird und welche Pflichten zur Vorhaltung der Schieneninfrastruktur bestehen.
Hans Tenberg, Ratsherr der FDP und Vorsitzender des FDP-Stadtbezirks West, unterstützt den Grundgedanken des Verkehrsclubs Deutschland, die Trasse nicht vorschnell aufzugeben. „Der VCD hat recht: Das Ende des Schluffs darf nicht automatisch das Ende der Strecke bedeuten. Allerdings muss man es umdenken: Falls die Trasse ohnehin erhalten oder betriebsfähig vorgehalten werden muss, kann auch ein touristischer Betrieb mit dem Schluff oder anderem historischen Wagenmaterial Teil einer Lösung sein.“
Entscheidend sei jetzt eine transparente Bewertung der tatsächlichen Kosten und Alternativen. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, als würden die SWK den Weiterbetrieb künstlich teuer rechnen. Genauso unseriös wäre es aber, die Kosten kleinzureden, nur weil viele Menschen emotional am Schluff hängen“, so Tenberg. Notwendig sei daher eine nachvollziehbare Prüfung der Gutachten, Sanierungsbedarfe, möglicher günstigerer Wartungs- und Instandhaltungsoptionen sowie alternativer Betriebsmodelle.
Aus Sicht der FDP West sollte dabei auch eine größere verkehrliche Perspektive für Hüls geprüft werden. Eine mögliche Anbindung des Hülser Bahnhofs an den Schienenpersonennahverkehr könne für den Krefelder Norden erheblichen Mehrwert haben. „Heute braucht man aus Hüls mit dem ÖPNV zum Hauptbahnhof spürbar länger als viele vergleichbare Bahnverbindungen im Umland. Zwischen Kempen und Krefeld Hauptbahnhof zeigt der bestehende Regionalverkehr, welche Zeitvorteile Schiene bieten kann. Deshalb sollte geprüft werden, ob Hüls perspektivisch an den Krefelder Hauptbahnhof angebunden werden kann“, erklärt Tenberg.
Denkbar sei ein Mobilitätsknotenpunkt in Hüls, der Schiene, Bus, Radverkehr und Park-and-Ride verbindet. Dabei könne auch geprüft werden, ob andere teure Ausbauoptionen im ÖPNV, etwa im Straßenbahnbereich, neu bewertet werden könnten. Ziel sei nicht, zusätzliche Dauerlasten zu schaffen, sondern eine ohnehin vorzuhaltende Schieneninfrastruktur durch stärkere Nutzung sinnvoller und wirtschaftlicher auszulasten.
Klar ist für die FDP-Ratsgruppe aber auch: Einen dauerhaften Betrieb allein auf Kosten der Stadt oder dauerhaft zulasten kommunaler Mittel werde die FDP nicht unterstützen. „Auch wenn die SWK Gewinne erwirtschaftet, ist das kein kostenloser Geldtopf. Was dort dauerhaft belastet wird, fehlt mittelbar auch der Stadt. Das ist finanzpolitisch linke Tasche, rechte Tasche“, so Heitmann. „Wer Strecke oder Schluff erhalten will, braucht ein tragfähiges Konzept und keine Dauerrechnung an den Steuerzahler.“
Irritiert zeigt sich die FDP-Ratsgruppe über Forderungen nach neuen Vereinsgründungen und symbolischen Petitionen. „Das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger ist wichtig. Aber man muss das Rad nicht neu erfinden, erst recht nicht bei einem Schienenthema“, so Tenberg. „Es gibt bereits etablierte Vereine, etwa Schluff und historische Verkehrsmittel Krefeld e. V., die seit Jahren konkret an diesem Thema arbeiten. Wer es ernst meint, sollte dort Mitglied werden, mitarbeiten oder unterstützen.“